MultiTrust Capital News 06/2017: Wirtschaftspolitik/Konjunktur

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1. WIRTSCHAFTSPOLITIK

CHINA WIRD ABGESTUFT

Die US-Ratingagentur Moody’s hat China von „Aa3 auf A1“ abgestuft, was besonders auf die Schuldensituation im Land zurückzuführen ist. Dies ist die erste Abstufung seit 1989. Chinas Regierung relativierte das Rating in einer ersten Stellungnahme. Kritisch sehen die Moody’s-Analysten die Schuldensituation im Land. Hier gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit von einem deutlichen Anstieg in allen Wirtschaftszweigen. Dadurch würden auch die Belastungen für den Staatshaushalt wachsen. Außerdem haben die Experten Zweifel an der Reformfähigkeit des Landes. Das chinesische Finanzministerium versuchte die Kritik zu relativieren und betonte, dass die Agentur die Fähigkeit Chinas zu wirtschaftlichen Reformen und der Ankurbelung des Konsums unterschätze (http://www.chinaeconomicreview.com vom 24.05.2017).

NEUE ANTIDUMPINGMETHODE

Die Vertreter aller EU-Mitgliedstaaten einigten sich am 3. Mai auf neue Regeln für Anti-Dumping-Untersuchungen. Diese ermöglichen es unter anderem, die Unterscheidung zwischen Marktwirtschaften und Nicht-Marktwirtschaften nach WTO-Recht zu umgehen. Die 15-jährige Übergangsfrist zur Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft nach WTO-Standards war Mitte Dezember 2016 abgelaufen. Die EU hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass sie China nicht explizit als Marktwirtschaft anerkennen würde, was zu einem großen Streitthema zwischen beiden Staaten geführt hat. Nun wurde die Kontroverse durch die Aufhebung der generellen Unterscheidung zwischen Markt- und Nicht-Marktwirtschaften entschärft. Die Position des Rates zu einer neuen, länderneutralen Methode zur Bewertung von Marktverzerrungen in Drittländern wurde von den EU-Botschaftern gebilligt. Hierbei ist die Erkennung und Behebung von Marktverzerrungen infolge staatlicher Interventionen in anderen Ländern das Ziel. Anhaltspunkte zur Ermittlung erheblicher Marktverzerrung sind z.B. staatliche Maßnahmen und Beeinflussung, Präsenz zahlreicher staatseigener Unternehmen, Diskriminierung zugunsten von inländischen Unternehmen, mangelnde Unabhängigkeit des Finanzsektors, unzureichende Durchsetzung des Konkurs-, Gesellschafts- oder Eigentumsrechts.

Bei Feststellung einer erhebliche Verzerrung in einem Ausfuhrland, kann ein Preis für das Produkt festgelegt werden, indem sich die EU entweder auf die Herstellungskosten und die Verkaufspreise in einem Land mit einem ähnlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstand oder auf angemessene, unverzerrte internationale Kosten und Preise bezieht (http://www.consilium.europa.eu vom 03.05.2017).

 

NEUES CHINESISCHES KREDITSYSTEM

Zurzeit entwickelt China ein ambitioniertes gesellschaftliches Bonitätssystem, das auf Basis einer umfassenden digitalen Vernetzung und Datensammlung das Verhalten von Bürgern und Unternehmen registrieren und regulieren soll. Bis zum Jahre 2020 will Chinas dieses System vollständig aufbauen. Bereits heute sind in der zentralen Datenbank 1,2 Milliarden Einträge vorhanden, wie die chinesische Notenbank und die Pekinger Planungsbehörde NDRC mitteilten, die das Projekt federführend begleiten. Bei schlechter Bewertung muss mit Sanktionen gerechnet werden. Auch Firmen in der Volksrepublik sollen durch dieses neue Kreditsystem erfasst werden. Das bedeutet, dass bald auch deutsche Hersteller wie z.B. Adidas, Aldi Süd und Bosch, die chinesische Onlineplattformen als Vertriebskanäle nutzen, unter dieses System fallen was zur Folge haben kann, dass schlechte Kundenbewertungen auf der Plattform nicht nur den Absatz des Unternehmens schmälern, sondern auch dessen Kreditranking verschlechtern  könnten (http://www.handelsblatt.com vom 23.05.2017/ https://www.merics.org  vom 11.05.2017).

 

2. KONJUNKTUR

KPIs 06_2017

Quelle: http://data.stats.gov.cn/english/easyquery.htm?cn=A01 vom 01.06.2017

 

HANDEL IN CHINA ABGEKÜHLT

Im April sind die chinesischen Importe um nur 11,9 Prozent angestiegen; das Wachstum hat sich damit gegenüber März diesen Jahres (20,3 Prozent) stärker abgekühlt als erwartet. Die Exporte sind im Vorjahresvergleich zwar um 8,0 Prozent gestiegen, jedoch im Vergleich zum März diesen Jahres (+16,4 Prozent) geringer. China verzeichnete im April 2017 einen Handelsbilanzüberschuss von 38,05 Milliarden US-Dollar, im März waren es im Vergleich nur 23,93 Milliarden US-Dollar     (http://www.chinaeconomicreview.com vom 09.05.2017).

 

 

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